Die Geschichte der Musikschule Mosbach
Vorbereitung
1980 wird der „Verein
zur Gründung und Förderung
der städt. Musikschule
Mosbach
e.V.“ gegründet. Dieser
betreibt unter der
Führung der späteren
Ehrenvorsitzenden Gisela
Glaeser-Klein den
Aufbau einer Musikschule,
die in die Hände
der Stadt Mosbach übergeben werden
soll.
1982 zieht die Musikschule in das Kulturzentrum im Haus Becker ein.
1983 wird der Gründungs- und Förderverein als „Vorbildliche kommunale Bürgeraktion“ ausgezeichnet. Die Musikschule gründet Zweigstellen in Aglasterhausen, Schefflenz und Schwarzach und erreicht mit 400 Schülern schon bald eine Größe, die ehrenamtlich nicht mehr geleitet werden kann.
Gründung
1986 gründet deswegen die Stadt Mosbach mit den Gemeinden Aglasterhausen, Binau, Elztal, Neckarzimmern, Obrigheim, Schefflenz und Schwarzach am 29. April die „Musikschule Mosbach e.V.“ Zum 1. Vorsitzenden wird der damalige Oberbürgermeister Fritz Raff gewählt und Martin Daab als Schulleiter eingestellt. Die Musikschule wird am Jahresende von 482 Schülerinnen und Schülern besucht. Der erste Jahresbericht wird von der Sparkasse Mosbach und Volksbank Mosbach finanziell ermöglicht. Beide Kreditinstitute werden in der Zukunft eine ganz entscheidende Rolle bei der Finanzierung von Veranstaltungen, Instrumentalausstattung und Drucksachen der Musikschule übernehmen.
1987 wird die Musikschule in den Verband deutscher
Musikschulen aufgenommen. Die ersten Ensembles
werden gegründet und bilden in den ersten
Jahren das Profil der jungen Musikschule:
Folkloregruppe, Rock-Pop-Jazz-Blues-AG, Musiktheater
und Singklasse. Räumlich platzt die Musikschule
im Kulturzentrum Mosbach aus allen Nähten.
Da in den Räumen der Allgemeinbildenden
Schulen nur unter zeitlichen
und instrumentalen
Einschränkungen
unterrichtet werden
kann, wird im alten
Bahnhof Mosbach ein
zweiter eigener Unterrichtsraum
bezogen.
1988 Eine eindrucksvolle Premiere ist das Regionalmusikschulfest
zur Eröffnung des Mosbacher
Sommers. Musikschulen zwischen Mannheim und
Mosbach präsentieren sich mit Beiträgen aus allen
musikalischen Stilrichtungen vom Folkloretanz bis
zum Sinfoniekonzert. Die Gemeinde Neunkirchen
tritt der Musikschule bei. Der jetzige Stellvertretende
Schulleiter Michael Diedrich wird als erster
hauptamtlicher Fachbereichsleiter für den Bereich
Elementare Musikpädagogik eingestellt. Er koordiniert
den Unterricht zunächst im Fach Musikalische
Früherziehung, das in Zukunft in allen Zweigstellen
nach einem einheitlichen Konzept unterrichtet wird.
Am Ende des Jahres hat die Musikschule über 906
Schüler, somit hat sich die Schülerzahl in den letzten
24 Monaten fast verdoppelt.
Ausbauplan
1989 Mit diesem rasanten Schüleransturm kann
die Schulstruktur nicht mithalten. Wegen des Fehlens
von hauptamtlichen, tarifgebundenen Stellen
ist die Fluktuation im Lehrerkollegium erheblich
und führt zu häufigen Lehrerwechseln. Um diese
einzudämmen, wird im Rahmen eines Ausbauplans
die schrittweise Schaffung weiterer hauptamtlicher
Stellen beschlossen. Ziel ist, dass rund
80 % des Unterrichtes von hauptamtlichen Lehrkräften
erteilt wird. Im gleichen Jahr führt die Musikschule
mit dem „Rattenfänger von Hameln“ ihre
erste Musiktheaterproduktion auf. Die Gemeinde
Limbach tritt der Musikschule bei.
1990 treten die Gemeinden Fahrenbach und Haßmersheim der Musikschule bei, die Schülerzahl steigt bis zum Ende des Jahres auf 1358. Der neugewählte Mosbacher Oberbürgermeister Gerhard Lauth wird neuer 1. Vorsitzender der Musikschule. Im Rahmen des Ausbauplanes werden 4 weitere Fachbereichsleiter und 2 Bezirksleiter hauptamtlich eingestellt, die sich mit großem Erfolg dem qualitativen Ausbau der Musikschule widmen. Schon im nächsten Jahr wird sich die Zahl der Preisträger im Wettbewerb „Jugend musiziert“ verdreifachen.
1991 feiert die Musikschule Mosbach ihr fünfjähriges
Bestehen. Vielbeachtete Festveranstaltungen
sind das erste MusikSpektrum der Ensembles, das
erste MusikForum der Lehrkräfte und die Uraufführung
des Musicals „Gundurella Gickelei“ anlässlich
der 750-Jahrfeier der Stadt Mosbach. Ausschnitte
aus dem Programm aller Festveranstaltungen werden
auf einer Jubiläums-CD festgehalten, die die
deutlich gestiegene Qualität des Musikschulunterrichtes
dokumentiert und rückwirkend die Einrichtung
der hauptamtlichen Stellen bestätigt. Mit einemübersichtlichen Faltblatt und einer professionellen
Tondiaschau „Der Weg zur Musik“ stellt die
Musikschule ihr Konzept der Öffentlichkeit vor.
Ausbaustopp
1992 Ein Höhepunkt ist das Konzert des Landesjugendorchesters
Sachsens in der Festhalle Aglasterhausen
u.a. mit der „Rhapsody in Blue“ von George
Gershwin. Die Schülerzahl ist auch durch den Beitritt
weiterer Gemeinden in den letzten 3 Jahren
mehr gewachsen als geplant, im Gegensatz zu
den finanziellen Möglichkeiten der Kommunen. Daher
wird aus finanziellen Gründen bei 1552 Schülern
ein Ausbaustopp verfügt und die bereits geplanten,
aber noch nicht besetzten hauptamtlichen
Stellen werden gestrichen. Viele Mitarbeiter die auf
eine hauptamtliche, tarifgebundene Stelle gehofft
hatten verlassen die Musikschule und lassen die
Fluktuation bei den untertariflich bezahlten Lehrkräften
von 19% auf 34% ansteigen. Die Musikschule
spart durch diese Maßnahme nach heutigen
Kosten 140.000 € pro Jahr.
1993 Auch die räumliche Situation der Geschäftsstelle der Musikschule im Kulturzentrum ist mehr als angespannt. Das Jahr bringt den langersehnten Umzug in die „Alte Münz“ neben dem Rathaus. Lehrkräfte der Musikschule beteiligen sich mit einem hochkarätigen Kammermusikkonzert am Völkerfest gegen Ausländerfeindlichkeit, fortgeschrittene Schüler der Musikschule übernehmen erstmalig die musikalische Gestaltung des Adventskonzerts des Oberbürgermeisters. In Schefflenz wird das Bärbelshaus bezogen, das beste Unterrichtsmöglichkeiten bietet.
1994 lernen über 50
Schüler/innen
von Flötenensemble,
Folkloregruppe,
Gitarrenorchester
und Singklasse
die lebendige
katalanischen
Kultur und herzlichste
Gastfreundschaft
kennen. Es ist
der Beginn eines
regelmäßigen
Austausches mit
Musikschulen in
Barcelona. In einer
exzellenten
Matinee „rund um’s Klavier“ wird der mit Hilfe von
Sponsoren und Spendern angeschaffte neue Konzertflügel
im großen Musiksaal des NKG eingeweiht.
Auf Initiative der Musikschule Mosbach tritt
der Verband deutscher Musikschulen als erster
Verband aus dem nichtsportlichen Bereich der Initiative „Keine Macht den Drogen“ bei.
Wettbewerbserfolge
1995 Seit Jahren nehmen die Schüler der Musikschule mit ständig steigendem Erfolg bei regionalen und landesweiten Wettbewerben teil. Diese Entwicklung findet mit zwei Preisen an Simone Fessner und Daniel Roos im Bundeswettbewerb„Jugend musiziert“ ihren ersten Höhepunkt. Um die Kommunikation zwischen den Kolleginnen und Kollegen über Unterrichtsziele zu erleichtern und Schüler zum gemeinsamen Musizieren zu motivieren, findet in diesem Jahr die erste Musizierwoche statt. In dieser musizieren alle Instrumental- und Gesangsschüler, die länger als 2 Jahre Unterricht haben. Weitere Premieren sind in diesem Jahr das MusikPodium der Preisträger und der Liederabend zur Eröffnung der Konzertreihe „Musik konzertant“. Weitere Höhepunkte sind das Benefizkonzert für die Frauenkirche Dresden und das Musical „Ngoma- Bär“. In Elztal werden die äußerst ansprechenden Unterrichtsräume im Dallauer Schloss bezogen.
1996 feiert die Musikschule mit einem Festakt und weiteren 29 Veranstaltungen in allen Zweigstellen ihr 10-jähriges Bestehen. Das Festjahr beginnt mit der Uraufführung des Kindermusicals „Wo ist Panama“ vor insgesamt über 1000 Zuhörern. Die Konzertreihe „Mosbacher Jazzkonzerte“ wird gegründet, in deren Rahmen 21 Jazzkonzerte mit nationalen und internationalen Größen der Jazzszene stattfinden werden.
1997 ist das Festjahr der Stadt Mosbach. Die Musikschule
beteiligt sich mit zehn Veranstaltungen
an der Landesgartenschau
und wirkt an
der Einweihung des
neuen Kultur- und Tagungszentrums „Alte
Mälzerei“ mit, unter
anderem mit sechs
Aufführungen des Familienmusicals „Strubbeltatz“.
Um Kosten
zu senken erklären
sich die tariflich vergüteten
Lehrkräfte bereit, ohne Gehaltsausgleich
ihr Unterrichtsdeputat zu erhöhen. Zusammen mit
einer Erhöhung des Anteils des Gruppenunterrichtes
spart die Musikschule dadurch weitere 30.000
€/Jahr ein.
In der Region fest verwurzelt
1998 Seit dem großartigen
Erfolg vor 10 Jahren
findet alle 2 Jahre
das Musikschulfest
statt, das in der gesamten
Mosbacher Innenstadt
die breite Arbeit
der
Musikschule präsentiert.
In diesem
Jahr verzeichnet die
Musikschule bei strahlendem Wetter mit über 8000 Zuhörern
einen neuen Besucherrekord.
Die Musikschule
ist fest im Musikleben verwurzelt. Viele der 52
Lehrkräfte der Musikschule dirigieren Musik- oder
Gesangvereine, konzertieren, sind Dozenten in der
Lehrerweiterbildung, Juroren im Wettbewerb „Jugend
musiziert“ oder Lehrbeauftragte an Hochschulen
und verbinden somit pädagogische, musikalische
und wissenschaftliche Praxis. Schülerinnen
und Schüler der Musikschule wirken bei über
100 Veranstaltungen der Musikschule bzw. Veranstaltungen
von Kooperationspartnern mit, in diesem
Jahr erstmalig bei den Fensteröffnungen der
Werbegemeinschaft Mosbach aktiv.
1999 Seit vielen Jahren studieren Ensembles und Solisten der Musikschule in regelmäßigen Abständen Musicals ein. In diesem Jahr wagt sich die Musikschule mit „The Sound of Music“ von Richard Rogers erstmalig an ein großes Broadway-Musical, zusammen mit dem Eigenbetrieb Kultur und Fremdenverkehr und einem Extrachor des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums. Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Kooperation ist in diesem Jahr das erste Kinder- und Jugendchorfestival zusammen mit dem Sängerkreis Mosbach und der Stadt Mosbach auf dem Mosbacher Marktplatz. Nach langen Verhandlungen wird der Einwohnerfaktor für die kommunalen Zuschüsse zugunsten der Stadt Mosbach von 3 auf 2,5 gesenkt. Dies erspart der Stadt Mosbach gut 20.000 €/Jahr.
2000 wird die Musikschule mit dem Broadway-Musical„Ein Hauch von Venus“ von Kurt Weill Landessieger
im erstmalig
ausgetragenen Toto-
Lotto-Musiktheaterwettbewerb. Im Wettbewerb„Jugend musiziert“
gehen 35 Preise an
Schüler der Musikschule
Mosbach, vor 10 Jahren
waren es noch 4.
Dies hat auch Auswirkungen
auf die Leistungsspitze:
erstmalig
gewinnen mit dem Klavierduo
Richard und Valentin Humburger Schüler
der Musikschule einen 1. Preis in einem internationalen
Musikwettbewerb, drei Jahre später werden
die beiden den deutschen Hochschulwettbewerb
gewinnen, 5 Jahre später einen Sonderpreis beim
ARD-Musikwettbewerb.
Ein eigenes Haus
2001 ist es endlich so
weit. Die Musikschule
zieht dank der Anmietung
und Renovierung
eines Gebäudes in der
Bleichstraße durch die
Stadt Mosbach in ein eigenes
Haus und hat
erstmalig Verwaltung
und einen Teil der Unterrichtsräume
unter einem Dach glücklich vereint.
Trotz Holzständerbauweise des Altbaues wird
durch optimale Planung des Stadtbauamtes mit einem
Budget von 170.000 € eine sehr zufriedenstellende
Schalldämmung erreicht.
2002 Die Musikschule arbeitet mit überdurchschnittlich hoher Wirtschaftlichkeit. Eine Kennzahlenanalyse ergibt, dass die Musikschule bei den Kosten und kommunalen Zuschüssen im unteren Drittel, bei den quantitativen und qualitativen Kennzahlen im oberen Drittel liegt. Weitere 10.000 € im Jahr spart die Musikschule durch die Streichung einer halben tarifgebundenen Stelle und Schließung der Fachgruppe Folklore ein. Ein zum 3. Deutschen Musikschultag geplantes großes Folk-Rockkonzert muss deshalb entfallen. Innerhalb der Heimattage Baden-Württemberg beteiligt sich die Musikschule an 12 Veranstaltungen. Höhepunkt ist die viermalige Aufführung des Broadwaymusicals „Brigadoon“ vor insgesamt 2000 Zuhörern.
2003 findet die erste Musikschulgala in der Alten
Mälzerei mit einem hervorragenden musikalischen
Programm und Stargast Arnim Töpel statt. Das
zweite Highlight ist die Inszenierung des Musicals„Honk“, mit der die Musikschule zum zweiten Mal
in Folge den Toto-Lotto-Musiktheaterwettbewerb
Baden-Württem-berg gewinnt. Die Internationale
Jugendbegegnung pflegt in diesem Jahr das Querflötenensemble
mit einem vielbeachteten Konzert
in der Partnerstadt Chateau-Thierry.
Nach zahlreichen Einsparrunden in der Vergangenheit
ist die Musikschule am Ende ihrer Einsparmöglichkeiten
gelangt, so hat die Musikschule z.B.
durch vermehrten Gruppen- und Klassenunterricht
sowie verkürzten Einzelunterricht in den letzten 10
Jahren die Zahl der pro Jahreswochenstunde unterrichteten
Schüler um 28 % erhöht.
Ausblick
2004 greift die Musikschule erstmalig in ihre
Schulstruktur ein. Um 40.000 €/Jahr einzusparen
und die hohe Unterrichtsqualität ebenso wie die
dezentrale Unterrichtserteilung zu erhalten, werden
die Bezirke und Fachbereiche aufgelöst, Serviceaufgaben
und Veranstaltungen zentralisiert
und reduziert. Die verbliebenen Aufgaben werden
von Projektleitern wahrgenommen. Neben der Umsetzung
der Strukturreform laufen Unterrichtsbetrieb
und die bereits geplanten Veranstaltungen
weiter: Das neu gegründete Sinfonieorchester tritt
im MusikSpektrum und einem eigenen Sinfoniekonzert
das erste Mal an die Öffentlichkeit.
Auf dem Programm stehen u.a. eine Schubert Ouvertüre
und Beethovens Klavierkonzert Nr. 2. Das
Gitarrenorchester der Musikschule wird zum 4. Mal
in Folge ausgewählt, den Verband deutscher Musikschulen
beim Europäischen Musikschulfest zu
vertreten, dieses Mal in Dänemark.
2005 findet die deutsche Erstaufführung des Musicals „The Goodbye Girl“ in der Alten Mälzerei Mosbach
statt. Nach der Uraufführung 1993 am Broadway
und der europäischen Erstaufführung im Londoner
Westend 1997 werden Dialoge und Songtexte
erstmalig in deutscher Sprache aufgeführt.
Zum Deutschen Musikschultag konzertiert unser
Sinfonieorchester u.a.
die Ballade op. 288 für Flöte und Orchester von
Carl Reinecke und die „Unvollendete“ Sinfonie hmoll
von Franz Schubert. Beim Badischen Chorwettbewerb
ersingt sich der Kinderchor „Pirol“ den
Titel „Konzertchor“. Das Querflötenensemble der
Musikschule setzt die Partnerschaft mit der Musikschule
in Chateau-Thierry mit einem Besuch in der
französischen Partnerstadt fort. Der Gemeinderat
der Stadt Mosbach beschließt, den Mitgliedsbeitrag
für die Musikschule
ab 2008 in
zwei Stufen zu senken.
In Folge dieses
Beschlusses kündigen
die Gemeinden
Schefflenz und Fahrenbach
ihre Mitgliedschaft
in der Musikschule
zum Jahresende 2006.
2006 Mit 28 Preisen im Regionalwettbewerb „Jugend
musiziert“, davon 19 ersten Preisen, starten
Schülerinnen und Schüler aus 12 Klassen der Musikschule
besonders erfolgreich in das Jubiläumsjahr.
Der 20. Geburtstag selbst wird taggenau am
29. April 2006 mit einer Musikschulgala gefeiert.
Toto-Lotto wird die Arbeit der Musikschule Mosbach
mit einen Benefiz-Kleinkunstabend der acappella
Gruppe „Die Fuenf“ fördern. Die Mitgliederversammlung
beschließt im Januar einstimmig
einen Kompromiss für die Musikschulfinanzierung,
der aber noch von den 12 Stadt- bzw. Gemeinderäten
bestätigt werden muss.
